Die Sprache der Formen

Neuburger Rundschau vom 5.6.2010
Ausstellung Karin Roth im Rathausfletz

 

VON ELKE BÖCKER
       
Neuburg Moderne und barocke Formensprache treffen sich derzeit zu einem harmonischen Stelldichein in der Städtischen Galerie im Rathausfletz von Neuburg. Flächen, Linien und Räume hat die freie Malerin Karin Roth hier thematisiert, ganz im Sinne von Theo van Doesburg, für den nichts konkreter war als eine Farbe, eine Fläche oder eine Linie, wie Bürgermeister Horst Gutjahr in seiner Begrüßung betonte.
Die Ausstellung "Stille Konkret" hat die Künstlerin explizit für den Fletz konzipiert, erklärte Kulturamtsleiter Dieter Distl in seiner Einführung. Bis zum 20. Juni können sich die Besucher auf die zurückhal¬tenden, großformatigen Bilder ein¬lassen und vielleicht einen Gegenpol zur normalen Alltagshektik erleben.
Die Künstlerin, eigentlich gelernte Verwaltungsfachwirtin, hat erst vor sechs Jahren zur Konkreten Kunst gefunden. Inspiriert von der Fibonacci-Zahlenfolge und von strenger Architektur, entstehen geometrisch ausgerichtete Bilder in
 Schwarz-Weiß, seltener auch in Blautönen. In der Konkreten Kunst ist Karin Roth, die in Königsmoos lebt und arbeitet, nach vielen Jahren, die sie in der gegenständlichen Kunst gearbeitet hat, gleichsam angekommen. Irgendwann sei ihr der Platz für Blumen auf der Leinwand zu wenig geworden und sie habe gemerkt, dass sie eigentlich an der Fläche, am Raum interessiert sei.
Im Fletz ist ein großes, weit gehend weißes Triptychon zu sehen, das die Kreisform des Gewölbes aufnimmt und vollendet. Andere Arbeiten scheinen den schrägen Lichteinfall oder die zwischen den Säulen entstehenden Räume aufzugreifen und zu analysieren. Der Betrachter kann Zusammenhänge und Harmo-nien erkennen. Der kleine Ausstellungskatalog bietet Gedichte von Irene Verholen, die helfen können, das Werk von Karin Roth besser zu verstehen. Doch eigentlich reicht dazu auch ein offener Blick...